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»BRÜCKEN:SCHLAG - Die „Czernowitzer Austria“ – politische Symbole und neue Identitäten in Europa«

Eröffnung am Donnerstag, 1.März.2007, um 18:00 Uhr durch Botschafter Dr. Emil Brix, Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten

im Österreichischen Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien
Ausstellungsdauer:
2. März bis 29. April 2007

Infos unter:
www.kulturresistent.net
www.volkskundemuseum.at

 


Die "Czernowitzer Austria" des Wiener Bildhauers Karl Pekary stand als Zeichen österreichisch-ungarischer Machtpräsenz ab 1875 am "Austria-Platz" in Czernowitz. Im Jahr 1918 verschwand die "Austria" unter ungeklärten Umständen. Im Mai 2003 tauchte der zwei Meter große Torso der Statue bei Bauarbeiten überraschend wieder auf. In einem internationalen Kunst- und Kulturprojekt beschäftigten sich im Jahr 2006 Künstler aus Ungarn, der Slowakei, Polen, der Ukraine und Österreich mit der Neuinterpretation jeweils eines originalgetreuen Abgusses der Statue, um deren symbolische Relevanz zu untersuchen.

Der Umgang mit (u.a. politischen) Symbolen und ihrer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft im neuen Europa ist auch ein Thema der Europäischen Ethnologie. Dies umso mehr für ein Museum wie das Österreichische Museum für Volkskunde, das auf Sammelbestände und über 100 Jahre alte Beziehungen zur Bukowina verweisen kann. Lässt sich Identität symbolisch verorten, wie wird Identität konstruiert, welche Symbole werden in der Zukunft Bedeutung haben?, sind mögliche Fragen, die anhand der Auseinandersetzung mit dem Statuenfund und dem künstlerischen Umgang damit diskutiert werden können. Die zehn "neuen" Austria-Skulpturen wandern durch das "neue" Europa mit Zwischenstationen in Krakau, Budapest, Bratislava, Wien-Laudongasse und Czernowitz, symbolisieren die unterschiedlichen Visionen, Blickwinkel und Entwürfe der gegenwärtigen strukturellen Veränderungen, um schließlich in Kiew für einen längeren Zeitraum neuen Botschaften und möglichen Interpretationen ihren Körper zu leihen.

Beteiligte KünstlerInnen: Ilona Nemeth (SK), Gruppe XYZ (SK), Róza El-Hassan (HU), Janos Sugar (HU), Karolina Kowalska (PL), Janek Simon (PL), Anna Sidorenko (UA), Bronislav Tutelman (UA), Bernadette Huber (AT), Abbé Libansky (AT), Hilde Fuchs (AT)

 

Begleitprogramm:

Freitag, 16. März 2007, 18 Uhr
Vortrag von Univ.-Doz. Dr. Peter Stachel

Stadtpläne als politische Zeichensysteme - politische Denkmäler, Heldenplätze und Straßennamen
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in vielen europäischen Städten durch die gezielte Benennung von Strassen und Plätzen und die Errichtung von Denkmälern bewusste "Einschreibungen" in den öffentlichen Raum vorgenommen, die als absichtsvolle Visualisierungen einer erwünschten beziehungsweise verordneten kollektiven Identität oder eines kollektiven Gedächtnisses analysierbar sind. Die jeweiligen Träger der politischen Macht versuchten dadurch von ihnen erwünschte Identitätskonzepte und Geschichtsbilder (Narrative) in der Alltagskommunikation zu verankern und auf Dauer zu stellen. Politische Systemwechsel gehen daher zumeist mit einer signifikanten Umcodierung des öffentlichen Raumes, mit der Umbenennung von Strassen und Plätzen und dem Sturz bzw. der Neu- oder auch Wiedererrichtung von Denkmälern einher (wofür es gerade in der zentraleuropäischen Region im 20. Jahrhundert zahlreiche Beispiele gibt). Besonderes Interesse verdienen dabei politische Plätze - oft als "Heldenplätze" konzipiert - die einerseits markante Orte politischer Symbolsetzungen andererseits aber auch Orte der Formierung politischer Öffentlichkeit sind: Sowohl in offiziellen, staatlichen Ritualen, als auch als Orte einer oppositionellen Gegenöffentlichkeit (Demonstrationen).

Donnerstag, 29. März 2007, 19 Uhr
Buchpräsentation im Kooperation mit dem Böhlau Verlag
Die Allegorie der Austria.

Die Entstehung des Gesamtstaatsgedankens in der österreichisch-ungarischen Monarchie und die bildende Kunst von Selma Krasa-Florian
Durch die Verknüpfung und Zusammenschau von Ereignissen auf der politischen Bühne und ihre Zuordnung zu Werken der bildenden Künste wird ein Gesamtbild der Epoche der österreichisch-ungarischen Monarchie deutlich. Von der Auffassung des Staates als Familienbesitz der Habsburger, dem Haus Österreich, führt der Weg über Kaiser Franz II.(I.), der sich als Vater des Vaterlandes sieht, zum Revolutionsjahr 1848. Ab diesem Zeitpunkt etabliert sich der Begriff des von der Dynastie unabhängigen Staates. Dem aufkommenden, das 19. Jahrhundert beherrschenden Nationalismus versuchte man im habsburgischen Vielvöl-kerstaat mit dem Diktum, dass Nation kein ethnischer, sondern ein politischer Begriff sei, entgegenzutreten. Im beginnenden 20. Jahrhundert propagierte man die Ideen von einem "Großösterreich" und von "Mitteleuropa". Die Allegorie der Austria spiegelt diese Vorstellungen in sehr eindrucksvoller Weise wider. Als Symbol der Dynastie trägt sie zumeist die rudolphinische Hauskrone, als bürgerlich-staatliches Symbol die Mauerkrone. Sie ist somit ein Spiegelbild der öster-reichischen Staatsidee und auch ihres Scheiterns.

Freitag, 20. April 2007, ab 15 Uhr
Studientag

Austria im Zerrspiegel - deutsche und tschechische Karikaturen der späten Monarchiezeit -
Rudolf Jaworsky (D)
Mythos Czernowitz - Andrei Corbea-Hoisie (RO)
Iconclash - EU-Europa in der visuellen Kommunikation - Heidemarie Uhl (A)

Samstag, 28. April 2007, ab 19 Uhr
Lesung + Club

Czernowitz mein schwarzer Witz - Péter Zilahy (H), 19 Uhr
Ukrainisches Special - Finissage Clubbing mit DJ Prutsky, ab 20 Uhr

Das Museum ist an Tagen mit Begleitprogramm bis zu dessen Beginn geöffnet.
Bei Vorträgen ist der Eintritt frei!