"UN(b)TITELT"
von Walter EBENHOFER, Oscar HOLUB, Bernadette HUBER
Robert MOSER, Anton RAIDL, Josef WINTERSTEIGER

Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 12. März 2008
19.00 Uhr
im Museum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Erinnerungsstraße 1
A-4310 Mauthausen

Ausstellungsdauer:
13. März bis 30. Juni 2008


Bernadette Huber
zeigt:
Grüß Gott Österreich!
Video, 4 min. 15 sec.
2000
siehe Infos nachstehend!


Eine Ausstellung, die dem Gedenken an die in Mauthausen inhaftierten und ermordeten KünstlerInnen gewidmet ist.

Das Verhältnis von Macht und Kunst war und ist ein höchst ambivalentes. Potentaten aller Zeiten suchten die Nähe zur Kunst und wussten diese für ihre Zwecke zu nutzen. Dennoch - oder gerade deswegen - verkehrte sich diese trügerische Symbiose oftmals in eine, für die Kunst meist schreckliche Zensur. Mit der fortschreitenden Autonomisierung der Kunst seit dem 19. Jahrhundert, verlor die Politik vermehrt ihren Einfluss auf deren Entwicklung. Die Möglichkeiten, welche sich die Künstler damit schufen, und die daraus resultierenden neuen Sichtweisen, gerieten zu Konflikten, die in der Folge von totalitären Machtverhältnissen mit Verhöhnung und Verbot belegt wurden. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschwanden zunächst Bilder aus den Museen, Bücher in den Flammen und später viele ihrer Urheber in den Konzentrations-lagern. Mit der Ausstellung Entartete Kunst in München im Jahre 1937 wurde von der Soldateska des Ungeistes jener Tage ein Exempel statuiert, was Kunst zu sein habe, das weit in die Zeit nach der Naziherrschaft, ja teilweise bis heute in den Köpfen vieler Menschen vorherrscht.

Sieht man einmal das Feld einer politischen Demonstration in der Kunst nicht im Thema, sondern in der Exemplarik, die dem schöpferischen Akt eingegeben ist, so lässt sich auch das Gebiet eines möglichen Widerstandes der Kunst umreißen: Es besteht in einer Ideologie der Opposition - des Widerstandes um der Moral eines Wunsches - um den Mythos der Freiheit. Da Freiheit aber keine Ware ist, die gewisse Systeme verteilen und anderen entziehen können, ist sie eine ständige Fehde mit allem was zum System wird. So kann Freiheit immer nur als Befreiung verstanden werden.

In den fünf, gänzlich verschiedenen Arbeiten dieser Ausstellung und deren unterschiedlichsten Zugangs-weisen, zeigt sich jedoch ein gemeinsames Fanal: Der Künstler/die Künstlerin tritt als Einzelne/r, in der Freiheit und Würde seines/ihres isolierten Geistes der Welt gegenüber und definiert sich als Teil einer Wirklichkeit. Der ungetrübte Bezug seines/ihres Geistes zu seiner/ihrer Umwelt schafft neue persönliche Begriffe von Wirklichkeiten, welche seine/ihre Werke tragen. Es sind dies Aufforderungen zu immer neuer Definition von Welt und Mensch, und reflektieren diese Impulse aus sich heraus zum Betrachter/zur Betrachterin hin.

Erich Fröschl, 2007


------------------------------------------------
Bernadette Huber zeigt:

Grüß Gott Österreich!
Video
4 min. 15 sec.
2000

"Grüß Gott Österreich!" ist die filmische Aufarbeitung eines Telefonmonologs, aufgezeichnet im Jahr 1997 auf dem Anrufbeantworter von Bernadette Huber. "Grüß Gott! Wir machen eine Umfrage von der FPÖ. Wären Sie bereit dazu?"..... dieses Originalzitat eines Anrufers involviert in einen längeren Monolog, konfrontiert binnen Sekunden mit "klaren" Aussagen über Ausländer, Juden, Deutschland, Hitler und führt in eine Reise ins Ungewisse, begleitet von Bildern von Macht - Beifall - Krieg - Tod - Jubel - Alltag - Trauer - Menschenmassen - Protesten. Aneinandergereihtes Found Footage Material aus polnischen Filmen, selbstinszenierte Videoaufnahmen und ein mir zur Verfügung gestellter selbstgedrehter Super 8 Film werden in Kurzsequenzen aneinandergereiht, als Zitatmaterial verwendet. Störbilder, entstanden als "Abfallprodukte" des gezeigten Materials am Computer, unterbrechen diese Kurzsequenzen und lösen die Situationen auf. Die Bilder marschieren unaufhaltsam, neue Bilder kommen und werden wieder aufgelöst. Die Aufnahme der Stimme, in den Leuchtanzeigen des Aussteuerungspegels des linken und rechten Kanals (L und R) sichtbar gemacht, begleitet den Film, erreicht Pegelspitzen, teilt in L und R. Einzelne Sätze des aufgenommenen Monologs werden zur visuellen Dokumentation des Gesprochenen eingeblendet. Ein Mann droht und outet sich - und - obwohl dokumentiert am Anrufbeantworter, konnte der Anrufer nie ausgeforscht werden. "Grüß Gott Österreich!" - Grußworte - Bekenntnis - oder Begegnung mit einer nie aufgearbeiteten Nazivergangenheit? "Der kleine Mann" gibt Antwort.
© Bernadette Huber. 2000


list of screenings